Aktuelle Hefte
34. Jahrgang (2026) Heft 1: Religion(en) als Thema schulischer Fachdidaktiken
Die fachdidaktische Verortung des Themas Religion(en) in der Schule liegt traditionell im konfessionellen Religionsunterricht. Dementsprechend hat die Religionspädagogik, soweit sie sich mit Religion in der Schule befasst, ihren Schwerpunkt weitgehend auf die Didaktik des konfessionellen Religionsunterrichts gelegt. Mit der Einführung des Ethikunterrichts als Alternativfach hat sich zuletzt auch eine stärkere fachdidaktische Auseinandersetzung mit der Thematisierung von Religion im Ethikunterricht entwickelt, vor allem mit Bezügen zur Religionskunde (Alberts et al. 2023, Feichtinger 2023) sowie zur Philosophiedidaktik (Reuter 2014, Petermann 2022, Torkler/Tiedemann 2023).
Darüber hinaus findet eine Auseinandersetzung mit Religion, Religionen sowie religiösen Motiven auch in weiteren Unterrichtsfächern statt: Die Thematik taucht beispielsweise im Geschichtsunterricht auf, der historische Entwicklungen und Einflüsse von Kirchen und Religionen beschreibt. Auch zentrale Werke der Musik oder der Bildenden Kunst sind kaum von ihren religiösen Bezügen zu trennen, weshalb sie Bestandteil musik- oder kunstdidaktischer Überlegungen werden. Der Philosophieunterricht weist sowohl philosophiegeschichtlich als auch diskursiv, etwa durch Religionsphilosophie und Religionskritik, enge Bezüge zur Thematik auf. Auch im Lateinunterricht können religiöse Texte thematisiert werden (Freund 2020): Dies betrifft nicht nur Werke der klassischen Antike, sondern auch Bibelübersetzungen oder lateinische Texte des Mittelalters wie die Legenda aurea oder heute erstaunlich aktuelle Schriften zur christlich-islamischen Begegnung (Niedermayr 2020).
Darüber hinaus können religiöse Fragen unter anderem im Biologieunterricht (etwa zum Verhältnis von Evolutionstheorie und kreationistischen Vorstellungen oder zur Sexualmoral), im Psychologieunterricht (etwa zur Religionskritik) oder in der politischen Bildung auftreten oder von Schüler:innen eingebracht werden.
33. Jahrgang (2025) Heft 1: Rassismus als Ideologie: Konturen einer rassismuskritischen Religionspädagogik
Diese Ausgabe möchte aus dieser komplexen Konstellation die Ideologie des Rassismus bzw. die Bemühungen einer rassismuskritischen Religionspädagogik in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken, welche in den letzten Jahren erste Konturen gewonnen und Gestalt angenommen hat. Verstärkt wird dabei im Kontext der eingangs genannten Aufmerksamkeiten bspw. auf rassistische Zuschreibungs- und Exklusionsprozesse und christliche Verstrickungen mit Rassismus geachtet. Ein zentrales Anliegen hierbei ist es, rassismuskritische Denkformen in Auseinandersetzung mit unterschiedlichen (z. B. religionsdidaktischen, bildungstheoretischen oder religionspädagogischen) Fragestellungen für den Kontext religiöser Bildung zu entwickeln. Obwohl diese Fragestellungen aus durchaus diversen Theoriebezügen analysiert werden, scheint eine dominante Einsicht vorzuherrschen: Eine rassismuskritische Religionspädagogik muss sich anders als nur an der Überwindung von (religionsbezogenen rassistischen) Stereotypen oder Vorurteilen orientieren, um der strukturellen Dimension rassistischen Denkens nicht unterkomplex zu begegnen.
Die ersten rassismuskritischen Überlegungen und Skizzen im Kontext des religionspädagogischen Diskurses zeigen deutlich, wie tief rassistische Strukturen in Fragen des europäischen Selbstverständnisses verwoben sind und welche Bedeutung Religionen in diesen Fragen von Identität spielen. Es zeigt sich, dass sowohl Unterscheidungspraktiken als auch Fragen von Zugehörigkeit und Differenz aus rassismuskritischer Perspektive in der Religionspädagogik einer Aufmerksamkeit bedürfen, die im Zusammenspiel mit anderen Wissenschaftsdisziplinen bearbeitet werden müssen.
Vor der eingangs skizzierten zeitdiagnostischen Problemstellung erscheint es darüber hinaus gefordert, Rassismuskritik vermehrt in Zusammenhang mit anderen ideologiekritischen Zugängen zu betreiben (wie etwa Antisemitismus oder Sexismus, aber auch neoliberalen Ideologien) und verschiedene Zugänge und Theoriebezüge in spannungsvoll-produktive Verhältnisse zu setzen, um mögliche Konflikte und Herausforderungen reflektiert herauszuarbeiten und darzustellen – um nicht zuletzt auch den Vorwürfen der Ideologisierung von Rassismuskritik selbst begegnen zu können.
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